#spddc20: Neuer Standard für Online-Beteiligung

Über 30 Sessions, Workshops, Talks und Reden, sieben Stunden Diskussion. Viele Fachleute aus verschiedenen Bereichen. Der Kanzlerkandidat, die Parteivorsitzenden, der Generalsekretär und viele andere Spitzenpolitikerinnen und -politiker. Mit dem Debattencamp hat die SPD einen neuen Standard gesetzt für Online-Beteiligung – und die Grundlage gelegt für die letzte Arbeitsetappe zum Regierungsprogramm 2021.

Einige Tausend Teilnehmer*innen in einer alten Fabrikhalle, dicht gedrängt auf Papphockern und alle in Bewegung, wenn es von der einen Session in die nächste ging. Die Bilder vom ersten Debattencamp der SPD vor zwei Jahren sind noch in Erinnerung. Vor-Corona-Zeit. Heute die Neuauflage – online. Wieder verschiedene Räume und Studios , in denen unterschiedliche Diskussionsformate, Talks oder Reden stattfinden. Aber das Willy-Brandt-Haus ist vergleichsweise leer. Vor allem Techniker*innen, die für den reibungslosen Ablauf sorgen, natürlich mit Masken, wenige Talk-Gäste auf den unterschiedlichen Bühnen, Abstand, andere sind zugeschaltet. Die Musik spielt vor allem im Netz.

#panelHopping „funktioniert“

Zum Beispiel auf Twitter: „So viele spannende Beiträge gleichzeitig, da fällt die Entscheidung schwer #panelHopping beim spddc20“, schreibt etwa @SarahLeone. „Genau deswegen bin ich in der Partei“, kommentiert @Muenchner_Madl den Spot „Soziale Politik für Dich“. Oder @Santon14: „Das digitale Format funktioniert.“ Mehrere Tausend sahen den Stream, diskutierten, gaben Impulse.

Es ging etwa um die Grundlagen für mehr Respekt in der Gesellschaft oder auch, was notwendig ist für eine moderne, erfolgreiche Wirtschaft, die auch Umwelt und Klima schützt. Wie wird der Sozialstaat fit für die Zukunft? Den Frieden sichern. Europa stark machen. Bezahlbare Wohnungen. Oder auch: Kultur zwischen Krise und Zukunft. In insgesamt über 30 Formaten wurden alle Themen diskutiert, die auch im Wahlprogramm eine Rolle spielen werden.

Generalsekretär Lars Klingbeil diskutierte mit der Sozialpsychologin Pia Lamberty und der Expertin für rechte Chatgruppen Karola Schwarz über Verschwörungsmythen – von „Aluhut bis Reichkriegsflagge“.

Scholz skizziert Schwerpunkte

Und Kanzlerkandidat Olaf Scholz warb für seine programmatischen Schwerpunkte „Respekt“, „Zukunft“ und ein „souveränes Europa“. Im späteren Talk mit dem Harvard-Philosophen Michael Sandel diskutierte er den Zusammenhang von Arbeit und Würde – und die Entfremdung in vielen westlichen Gesellschaften zwischen den so genannten „Eliten“ und den Bürger*innen.

„Herzblut und Engagement für die Sozialdemokratie“

Jetzt werden alle Ideen und Impulse ausgewertet. „Es hat wirklich was gegeben, was wir jetzt in die Programmarbeit einbringen können“, zeigte sich Parteichef Norbert Walter-Borjans zufrieden zum Abschluss des Debattencamps. Nach seinen Worten soll dann ein kompaktes Programm entstehen, das „kurz ist, konkret und erzählbar“. Ein „digitales Programm mit Querbezügen zu unseren Beschlüssen, wie die Vorsitzende Saskia Esken ergänzte. Sie hat vor allem beeindruckt, „mit wie viel Herzblut und Engagement für die Sozialdemokratie“ diskutiert wurde.

Und die SPD müsse, fasste Walter-Borjans die formulierten Erwartungen des Tages zusammen, „im Wandel für Sicherheit sorgen“. Kurz: Es geht um „Soziale Politik für Dich.“